Der große Ratgeber

Welches Musikinstrument passt zu meinem Kind?

Die wichtigste Frage zuerst: Welche Musik gefällt ihrem Kind? Alles andere ergibt sich nämlich daraus.

Die eine Frage, die alles entscheidet

Welche Musik mag Ihr Kind? Das klingt banal, ist es aber nicht. Viele Eltern, die ratlos vor dem Verkaufstresen eines Musikfachgeschäfts stehen, haben sich (und ihrem Kind) diese Frage noch nicht wirklich ernsthaft gestellt. Sie tappen komplett im Dunkeln und das Projekt 'Musikinstrument für mein Kind' ist eigentlich schon zum Scheitern verurteilt bevor es begonnen hat.

Es ist zwar selten, kommt aber auch vor... Falls sich Ihr Kind für gar keine Art von Musik begeistert, dann quälen Sie es nicht mit ungeliebten Musikstunden. Falls es sich darauf einlässt, ermöglichen Sie ihrem Kind vielleicht die Teilnahme an einer Schnupperstunde in der örtlichen Musikschule. Besuchen Sie mit ihm einen Musikladen, lassen Sie sich Instrumente zeigen. Falls das Ergebnis maßlose Langeweile und maximales Desinteresse ist, dann belassen Sie es zunächst einmal dabei. Versuchen Sie es lieber in 2 oder 3 Jahren noch einmal.

Nun aber zurück zum weitaus häufigeren Fall. Ihr Kind reagiert positiv auf Musik (ganz egal welche Art von Musik). Nun ist es wichtig, Ihr Kind dort abzuholen, wo es steht und ihm ein Musikinstrument vorzuschlagen, welches in dessen präferierter Musikrichtuung Verwendung findet. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen 9-jährigen Sohn (oder Tochter!), der (die?) alle Gitarrensoli aus Papas Rock-Sammlung mitsummen kann. Dann bestrafen Sie Ihr Kind nicht mit Klavierstunden. Ermöglichen Sie ihm den direkten Weg zur E-Gitarre, zum Schlagzeug oder zum Bass. Umgekehrt: Ihr Kind sitzt verzückt vor den Lautsprechern und lauscht Violinkonzerten? Dann ist die E-Gitarre das falsche Instrument, selbst wenn Mama und Papa Rockfans sind.

Musikrichtung und das passende Instrument

Die folgende Übersicht gibt eine grobe Orientierung, welche Instrumente am ehesten in Frage kommen unter Einbeziehungg der persönlichen Vorlieben des Kindes. Die Übergänge sind fließend!

Rock / Metal E-Gitarre, Bass, Schlagzeug
Pop Gitarre (akustisch/elektrisch), Bass, Schlagzeug, Keyboard
Jazz wie oben, außerdem Saxophon, Trompete, Klarinette
Klassik Violine, Klavier, Querflöte, Klarinette, Trompete
Blaskapelle / Orchester Trompete, Saxophon, Klarinette
Singer/Songwriter Gitarre, Ukulele, Klavier/Keyboard
Weltmusik / Folk Akkordeon, Ukulele, Percussion, Cajón

Das Klischee-Problem

Ein Klischee, das leider noch immer zutrifft: Mädchen landen häufig bei Querflöte, Violine oder Klavier, Jungs bei der E-Gitarre oder dem Schlagzeug. Ich plädiere dafür, diese Klischees frech zu durchbrechen. Sie haben eine Tochter, die sich für Schlagzeug begeistert? Nichts spricht dagegen, im Gegenteil! Meine eigene Tochter Sina spielt seit ihrem 10. Lebensjahr Schlagzeug und betreibt inzwischen mit 'Sina Drums' einen der weltweit erfolgreichsten YouTube Kanäle. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass Mädchen und Rockmusik keine Gegensätze sein müssen. Eine Schlagzeugerin, E-Gitarristin oder Bassistin, die ihr Handwerk wirklich versteht, ist eine Bereicherung für jede Band und sie könnte sich die Bands aussuchen.

Klischee hin oder her, am besten nehmen Sie Ihr Kind mit in ein Musikgeschäft lassen es verschiedene Instrumente ausprobieren. Die Reaktion eines Kindes auf ein Instrument, das es zum ersten Mal in der Hand hält, ist oft aufschlussreicher als jede Theorie.

Instrumente nach Altersgruppe

Achtung, hierbei kann es sich nur um einen groben Leitfaden handeln. Sind die Voraussetzungen gegeben bzgl. der körperlichen und geistigen Entwicklung eines Kindes, möglicherweise mit besonderer Unterstützung durch die Eltern oder Lehrer, können auch sehr kleine Kinder schon wesentlich früher als im folgenden dargestellt ganz außergewöhnliche Ergebnisse erzielen. Hierbei handelt es sich aber zumeist um sehr krasse Ausnahmen. Wenn man sich Videos derartiger 'Wunderkinder' ansieht, oft aus dem asiatischen Kukturraum, wo Disziplin eine ganz andere Rolle spielt als bei uns, muss man sicherlich auch fragen, ob es tatsächlich nur zum Besten eines Kleinkindes ist, dieses von frühester Kindheit an mit stundenlangem Musilunterricht zu 'erziehen'.

Ab 3–4 Jahren

Ein Glockenspiel ist ein typisches Instrument für die musikalische Früherziehung. Das Glockenspiel ist besonders geeignet, weil die C-Dur-Tonleiter auf dem Instrument keine „falschen" Töne zulässt und weil die Tonerzeugung mit den Holzschlägeln sehr intuitiv und einfach ist. Bei besonderer Veranlagung (und/oder besonderer Förderung durch die Eltern), kann man ein Kind ab etwa 3 Jahren bereits an die Violine heranführen. Die Größen einer Violine gehen über 3/4, 1/2, 1/4, 1/8 herunter bis zu 1/16 Instrumenten. Eine Violine ist von der Komplexität und dem Schwierigkeitsgrad geradezu das Gegenteil eines Glockenspiels und sicherlich nicht für jedes Kind geeignet! Irgendwo zwischen diesen beiiden Extremen (besonders leicht und besonders schwer) liegt das Klavie (bzw. Digital Piano). Hier ist ein Kind ab 3 Jahren durchaus in der Lage, Melodien zu erlernen und sogar beidhändig zu spielen.

Ab 5–6 Jahren

Gitarre (Konzertgitarre in Kindergröße), Ukulele, Blockflöte und Akkordeon (kleines Modell) werden in diesem Alter gut beherrschbar. Die Querflöte ist ab 6 Jahren mit gebogenem Mundstück möglich — aber deutlich anspruchsvoller als eine Blockflöte.

Ab 7–8 Jahren

Schlagzeug, Klarinette, Saxophon (Altsaxophon) und Trompete sind ab diesem Alter tendenziell beherrschbar. Voraussetzung bei allen Blasinstrumenten: Die 2. Schneidezähne müssen vollständig entwickelt sein.

Ab 9–10 Jahren

E-Gitarre und E-Bass sind ab diesem Alter sinnvoll und beherrschbar, idealerweise nach einer 'Grundausbildung' auf der akustischen Gitarre. Das Tenorsaxophon ist für weitgehend ausgewachsene Jugendliche geeignet, da es deutlich größer und schwerer als das Altsaxophon ist.

Monophone und polyphone Instrumente — ein wichtiger Unterschied

Die meisten Blasinstrumente — Trompete, Saxophon, Klarinette, Querflöte — sind monophon: Man kann nur einen Ton zur Zeit spielen. Das hat Konsequenzen für das Komponieren und das Begleiten anderer Musiker.

Polyphone Instrumente wie Gitarre, Klavier/Keyboard und Akkordeon erlauben mehrere Töne gleichzeitig — also Akkorde. Das macht sie zu Harmonieinstrumenten, ideal für Songwriter und Komponisten. Nahezu alle bedeutenden Komponisten der Popmusik schrieben ihre Songs an Gitarre oder Klavier.

Hat Ihr Kind kreative Ambitionen — erfindet es eigene Melodien, singt es gerne, hat es einen Sinn für Geschichten? Dann ist ein Harmonieinstrument die erste Wahl.

Die häufigsten Fehler beim Instrumentenkauf

Spielzeug statt Musikinstrument

Musikinstrumente kauft man im Musikfachgeschäft. Der Musikfachhandel ist auch online vertreten und wenn man weiß, was man will, spricht tendenziell nichts dagegen, Musikinstrumente online zu kaufen. Doch bitte kaufen Sie keine Musikinstrumente in Spielzeugläden. Eine Gitarre hat in der Spielzeugabteilug eines Kaufhauses nichts zu suchen!

Zu teuer zu früh

Kaufen Sie kein teures Premiumsinstrument, bevor klar ist, ob das Kind wirklich dabei bleibt. Ein solides Schülerinstrument bekannter Marken erfüllt alle pädagogischen Anforderungen. Wenn sich nach einem oder zwei Jahren zeigt, dass das Kind ernsthaft dabei bleibt, ist der Wechsel auf ein besseres Instrument immer noch möglich. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass ein Kind sich ein hochwertiges Instrument durch Interesse und Einsatz erst verdienen muss. Natürlich muss das erste Instrument funktional sein, damit das Kind nicht sofort jegliche Motivation verliert, doch ein Meisterinstrument muss es zu Beginn noch nicht sein!

Lehrer vor Instrument

Bei vielen Instrumenten (etwa Blockflöte, Klarinette, Saxophon, Querflöte, Trompete oder Violine) sollten Sie erst den Lehrer suchen und dann gemäß seiner Vorgaben das Instrument kaufen. Der Lehrer definiert die Anforderungen an das Instrument und hilft vielleicht sogar bei der Auswahl.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter sollte ein Kind mit einem Instrument beginnen?

Das hängt vom Instrument ab. Glockenspiel und Blockflöte sind ab 3–4 Jahren geeignet. Violine kann ab 3 Jahren begonnen werden (in Kindergrößen). Gitarre, Keyboard und die meisten Blasinstrumente sind ab etwa 6–7 Jahren sinnvoll. Schlagzeug und E-Gitarre ab etwa 8–10 Jahren.

Soll ich dem Kind ein Instrument vorschlagen oder es selbst wählen lassen?

Idealerweise beides: Stellen Sie dem Kind verschiedene Instrumente vor — durch Hörbeispiele, einen Besuch im Musikgeschäft oder Konzertbesuche — und beobachten Sie, wofür es sich begeistert. Ein erzwungenes Instrument führt fast immer zu Frustration und dem Aufhören.

Muss mein Kind zuerst Blockflöte lernen?

Nein. Die Blockflöte ist ein ausgezeichnetes Einstiegsinstrument, aber keine Pflichtstation. Wenn Ihr Kind unbedingt Schlagzeug oder E-Gitarre lernen möchte, ist das ein legitimer Startpunkt. Entscheidend ist die Motivation des Kindes.

Wie lange dauert es, bis man ein Instrument spielen kann?

Erste einfache Melodien sind auf Blockflöte oder Glockenspiel nach wenigen Wochen möglich. Auf der Violine dauert es Monate bis zu wohlklingenden Tönen. E-Gitarre liegt dazwischen — erste Akkorde nach einigen Wochen, erste Songs nach einigen Monaten.

Wie viel sollte Musikunterricht kosten?

Gruppenunterricht an Musikschulen beginnt oft bei 15–30 € pro Monat. Einzelunterricht kostet 30–70 € pro Stunde je nach Region und Lehrer. Viele Musikvereine und Blaskapellen bieten günstigen oder sogar kostenlosen Unterricht für Nachwuchsspieler an.

Schnupperkurse und Bläserklassen

Viele Musikschulen bieten Schnupperkurse oder Tage der offenen Tür an — nutzen Sie diese Möglichkeit, wenn möglich! Kinder, die verschiedene Instrumente selbst ausprobieren dürfen, treffen danach eine viel bewusstere Entscheidung. Auch viele Schulen bieten inzwischen Bläserklassen an, in denen jedes Kind im Rahmen des regulären Unterrichts ein Blasinstrument seiner Wahl erlernt.