Klavier spielen — die beste Basis für alle anderen Instrumente
Das akustische Klavier - oder noch beeindruckender der Konzertflügel - gilt seit Jahrhunderten und bis auf den heutigen Tag als König der Musikinstrumente. Zurecht, denn die Vielseitigkeit des Instruments, der zeitlose Klang, das Volumen, die Größe und die Lautstärke stellen die anderen akustischen Instrumente in den Schatten. Hinzu kommt der pädagogische Vorteil, dass man alle erreichbaren Töne gewissermaßen schwarz auf weiß vor einem liegen. Ohne einen einzigen Ton zu spielen, kann man sich alles direkt vor Augen führen: Töne, Halbtonschritte, Oktaven, Akkorde. Kein anderes Instrument macht Musiktheorie so anschaulich. Nicht zuletzt deshalb empfehlen viele Musikpädagogen das Klavier als erstes Instrument. Vergleichbar mit einem Lateinlehrer, der die Sprache Latein empfiehlt als ersten Zugang zu allen romanischen Sprachen. Das Klavier stellt sozusagen den Zugang zur abendländischen Musik dar.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmalig des Klaviers: Man kann ganz alleine wunderbare Klangwelten erschaffen, bestehend aus Melodien, reichen Harmonien und Rhythmik (vgl 'Die wunderbare Welt der Akkorde'). Das gilt zwar in abgeschwächter Weise auch für die Gitarre aber während man bei dieser auf 6 Töne gleichzeitig beschränkt ist, biete das Klavier die theoretische Möglichkeit, 88 Töne gleichzeitig anzuschlagen. Das Klavier ist also auch der König der Polyphonie!
Wenn der größte Vorteil gleichzeitig der größte Nachteil ist
Die Größe, die Lautstärke und die Komplexität eines akustischen Klaviers stellen gleichzeitig einige Probleme dar: Es ist so laut, dass Mitbewohner und Nachbarn unfreiwillig mithören (das ist nicht immer angenehm!) Das Klavier ist aufgrund seiner Größe und seines Gewichts quasi nicht zu bewegen und es ist sehr teuer. Seit die Elektronik Einzug in die Welt der Musik gehalten hat, suchte man nach Möglichkeiten, das Klavier elektronisch nachzubilden. Dabei entstanden neue, elektronische Tasteninstrumente ('Keyboards'). Orgeln, Synthesizer, E-Pianos u.v.m. Als dann zur Elektronik auch noch die Digitalisierung kam (Stichworte 'MIDI' und 'Sampling'), wuchs die Zahl der neuen Keyboards ins Unermessliche. Etwas vereinfacht kann man sagen, dass man bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch versuchte, den Klang des Klaviers elektronisch zu imitieren, während man spätestens seit Beginn des neuen Jahrtausends mit den Fortschritten in der Speichertechnologie immer besser darin wurde, den Klang des akustischen Klaviers aufzunehmen (zu 'samplen'), und digital zu speichern, so dass man den 'echten Klang' mit Hilfe eines wesentlich kleineren elektronischen Keyboards auf Tastendruck wiedergeben kann.
Klavier oder Keyboard? Eine saubere Begrifflichkeit
Wir müssen an dieser Stelle einmal die Begrifflichkeit klären, damit wir sauber unterscheiden können. Der Begriff 'Keyboard' ist zunächst einmal ein Oberbegriff für alles, was Tasten hat. Dazu gehören alle elektronischen Tasteninstrumente aber auch das Klavier selbst. Eine Gattung der Keyboards sind die sogenannten 'Home Keyboards'. Inzwischen sind auch diese Home Keyboards mit durchaus brauchbaren Sounds (basierend auf Samples) ausgestattet. Sie zeichnen sich insbesondere durch die eingebauten (kleinen) Lautsprecher aus. In Deutschland werden diese Home Keyboards oft einfach als 'Keyboard' bezeichnet und komplett verwirrend wird es, wenn man so mancher dann ein Home Keyboard auch noch als Klavier bezeichnet, was natürlich Quatsch ist. Nur ein Klavier ist ein Klavier!
Kaufberatung: Das erste Klavier oder Keyboard
Aus den oben ausgeführten Gründen (zu teuer, zu laut, zu schwer) wird es realistischerweise nur den allerwenigsten Kindern möglich sein, auf einem echten Klavier zu lernen. Es stellt sich also die Frage nach geeigneten Alternativen. Meiner Ansicht nach sind aus pädagogischen Gründe diejenigen elektronischen/digitalen Geräte die geeignetsten, die dem Klavier in Klang und Bespielbarkeit am nächsten kommen.
Das 'klassische' Digital Piano
Hier ist zunächst einmal das Digital Piano zu nennen. Dieser Keyboard-Typ zeichnet sich aus durch die folgenden Eigenschaften:
- 88 gewichtete Tasten (dem Tonumfang und der Mechanik einer echten Klaviertastatur nachempfunden).
- Anschlagsdynamik (die Lautstärke des erzeugten Tons richtet sich danach, wie fest die jeweilige Taste angeschlagen wird).
- Ein realistischer Klavierklang und zumeist noch weitere Sounds wie Orgel, Streicher, Bläser etc.
- Ein edel wirkendes Holzgehäuse mit 3 Pedalen und eingebauten Lautsprechern.