Der Mythos vom Pflicht-Vorkurs auf der akustischen Gitarre
Viele Eltern glauben, ihr Kind müsse zuerst auf einer akustischen Gitarre "das Fundament" lernen, bevor es zur E-Gitarre wechseln darf. Dieser Rat ist gut gemeint, aber falsch. Wer E-Gitarre spielen möchte, lernt am schnellsten auf der E-Gitarre. Die Grundtechniken sind dieselben — Griffbrett, Akkorde, Anschlag. Der einzige Unterschied ist der Klang, der Verstärker und der Stil.
Ein Kind, das unbedingt E-Gitarre spielen möchte, wird auf einer Konzertgitarre keine Motivation aufbauen. Und ohne Motivation gibt es keine Fortschritte. Der direkteste Weg ist oft der Richtige!
Leichter zu greifen als erwartet
E-Gitarrensaiten (Stärke 009 oder 010) sind dünner und weicher als Westerngitarrensaiten — paradoxerweise ist die E-Gitarre für Kinder oft leichter zu greifen als die akustische Westerngitarre. Der Hals ist schmaler und die Saitenlage (Abstand der Saiten vom Griffbrett) in der Regel niedriger eingestellt als bei der Western- aber auch der Konzertgitarre.
Was kostet ein komplettes E-Gitarren-Setup?
Gitarre + Verstärker + Kabel + Plektren gibt es tatsächlich bereits ab ca. 100 Euro. Zu den typschen Mängeln derartig billiger Instrumente gehören schlecht verarbeitete Bünde (scharfe Kanten), schlechte Elektronik, instabile Mechaniken, schlechte Saitenlage. Ich möchte diese Instrumente aber nicht generell verteufeln, möglicherweise kann man ein echtes Schnäppchen machen und vielleicht möchte man ja zu Beginn lediglich herausfinden, wie es tatsächlich um die Motivation des Nachwachses bestellet ist, bevor man viel Geld für eine teure Gitarre und einen ebenso teuren Verstärker ausgibt. Dennoch: Legt man noch 50 Euro drauf, ist die Wahrscheinlichkeit höher, ein tatsächlich brauchbares Instrument zu erwischen.
Einstiegssets für Kinder und Jugendliche von etablierten Herstellern wie Squier (Fender-Tochter), Epiphone (Gibson-Tochter) oder Yamaha sind ab etwa 230 Euro zu haben.