Elektrische Gitarre für Kinder

Elektrische Gitarre für Kinder

Rock, Metal, Blues — die E-Gitarre steht für diese Musikstile mehr als jedes andere Instrument. Sie kann zur Lebenseinstellung werden und ist auch für Kinder einfach zu erlernen als die meisten Eltern denken.

Alter Ab 9–10 Jahre
Saiten Stahlsaiten, dünner als bei der Westerngitarre, leichter zu greifen
Kosten Gitarre + Verstärker: ab ca. 100–150 € komplett
Stile Rock, Metal, Blues, Jazz, Pop
Lernkurve Erste Akkorde in Tagen möglich, Notenlesen nicht erforderlich

Der Mythos vom Pflicht-Vorkurs auf der akustischen Gitarre

Viele Eltern glauben, ihr Kind müsse zuerst auf einer akustischen Gitarre "das Fundament" lernen, bevor es zur E-Gitarre wechseln darf. Dieser Rat ist gut gemeint, aber falsch. Wer E-Gitarre spielen möchte, lernt am schnellsten auf der E-Gitarre. Die Grundtechniken sind dieselben — Griffbrett, Akkorde, Anschlag. Der einzige Unterschied ist der Klang, der Verstärker und der Stil.

Ein Kind, das unbedingt E-Gitarre spielen möchte, wird auf einer Konzertgitarre keine Motivation aufbauen. Und ohne Motivation gibt es keine Fortschritte. Der direkteste Weg ist oft der Richtige!

Leichter zu greifen als erwartet

E-Gitarrensaiten (Stärke 009 oder 010) sind dünner und weicher als Westerngitarrensaiten — paradoxerweise ist die E-Gitarre für Kinder oft leichter zu greifen als die akustische Westerngitarre. Der Hals ist schmaler und die Saitenlage (Abstand der Saiten vom Griffbrett) in der Regel niedriger eingestellt als bei der Western- aber auch der Konzertgitarre.

E-Gitarre Tonabnehmer Detail

Was kostet ein komplettes E-Gitarren-Setup?

Gitarre + Verstärker + Kabel + Plektren gibt es tatsächlich bereits ab ca. 100 Euro. Zu den typschen Mängeln derartig billiger Instrumente gehören schlecht verarbeitete Bünde (scharfe Kanten), schlechte Elektronik, instabile Mechaniken, schlechte Saitenlage. Ich möchte diese Instrumente aber nicht generell verteufeln, möglicherweise kann man ein echtes Schnäppchen machen und vielleicht möchte man ja zu Beginn lediglich herausfinden, wie es tatsächlich um die Motivation des Nachwachses bestellet ist, bevor man viel Geld für eine teure Gitarre und einen ebenso teuren Verstärker ausgibt. Dennoch: Legt man noch 50 Euro drauf, ist die Wahrscheinlichkeit höher, ein tatsächlich brauchbares Instrument zu erwischen.

Einstiegssets für Kinder und Jugendliche von etablierten Herstellern wie Squier (Fender-Tochter), Epiphone (Gibson-Tochter) oder Yamaha sind ab etwa 230 Euro zu haben.

Der Verstärker — oft unterschätzt

Viele Elternteile kaufen eine gute Gitarre und dann einen billigen Verstärker. Das ist der falsche Kompromiss. Ein schlechter Verstärker lässt selbst eine gute Gitarre schlecht klingen und nimmt die Freude am Spielen. Einen soliden kleinen Übungsverstärker (15–30 Watt) von etablierten Herstellern wie Marshall oder Fender gibt es ab etwa 100 - 150 Euro. Nach oben sind wie immer keine Grenzen gesetzt, es gibt aber auch noch deutlich günstigere Vertärker von 'no name' Herstellern.

Kopfhörerausgang — unverzichtbar in Wohnungen

Achten Sie beim Verstärkerkauf auf einen Kopfhörerausgang. Damit kann Ihr Kind komplett lautlos üben — ein entscheidender Vorteil in Mietwohnungen und für nachtaktive Übungssessions.

E-Gitarre Hals und Bünde Detail

Elektrische Gitarre — Hörbeispiel 1

Clean-Sound (Fender Stratocaster)

Elektrische Gitarre — Hörbeispiel 2

Verzerrter Sound (Gibson Les Paul)

Elektrische Gitarre — Hörbeispiel 3

'angezerrter' Rockabilly Sound (Gretsch)

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Häufige Fragen

Muss mein Kind zuerst akustische Gitarre lernen?

Nein — das ist ein hartnäckiger Mythos. Wer E-Gitarre spielen möchte, kann direkt damit beginnen. Die Grundtechniken (Greifen, Anschlagen, Akkorde) sind dieselben wie bei der akustischen Gitarre. Der direkte Einstieg mit dem Instrument, für das sich das Kind tatsächlich begeistert, wirkt naturgemäss motivationssteigernd.

Ist die E-Gitarre laut? Werden die Nachbarn gestört?

Am Verstärker lässt sich die Lautstärke vollständig regeln — auch auf Zimmerlautstärke. Viele Verstärker haben einen Kopfhörerausgang, sodass komplett lautlos geübt werden kann. Falls es sich zufällig um einen Musikerhaushalt handelt und Musikproduktionssoftware (LogicPro, ProTools, Ableton, Cubase o.ä.) vorhanden ist, kann man die E-Gitarre natürlich auch über ein Audio Interface direkt an den Laptop/Desktop anschließen und somit hörbar machen, bzw. direkt recorden.

Brauche ich unbedingt einen Verstärker?

Ja. Eine E-Gitarre ohne Verstärker klingt wie ein superleises Zupfinstrument — dieser Sound allein ist wenig motivierend. Ein kleiner Übungsverstärker (10–20 Watt) reicht am Anfang zunächst einmal aus und ist ab etwa 50–100 Euro zu haben.

Was ist der Unterschied zwischen E-Gitarre und Bass?

Die E-Gitarre hat 6 Saiten und übernimmt Melodien und Akkorde. Der Bass hat 4 Saiten und spielt das harmonische Fundament — meist einzelne Töne, keine Akkorde. Beide sind unverzichtbar in einer Band.

Ab welchem Alter ist eine E-Gitarre geeignet?

Ab 9–10 Jahren, wenn Hände und Finger kräftig genug sind. E-Gitarrensaiten sind oft dünner als Westerngitarrensaiten und leichter zu greifen — das erleichtert den Einstieg.

Ich möchte noch mehr Details!

Die elektrische Gitarre prägt seit mindestens 60 Jahren die Rockmusik wie kein anderes Instrument. Doch warum gibt es sie überhaupt? Die Antwort ist einfach: Weil akustische Gitarren zu leise sind. Vor 100 Jahren spielte die Gitarre weder im klassischen Orchester noch in der Unterhaltungsmusik eine herausragende Rolle — sie konnte sich gegen Bläser und Schlagzeug schlichtweg nicht durchsetzen.

Wie funktioniert eine E-Gitarre?
Mit der Entwicklung von Verstärkern und Lautsprechern ab den 1930er Jahren begannen Gitarrenbauer und Tüftler, elektromagnetische Tonabnehmer zu entwickeln. Das Prinzip ist bis heute dasselbe: Die Schwingungen der Stahlsaiten über dem Tonabnehmer werden in elektrische Impulse umgewandelt, über ein Kabel an einen Verstärker weitergeleitet und dort hörbar gemacht. Entscheidend: Der Tonabnehmer überträgt nicht den Originalklang der Gitarre, sondern schafft in Wechselwirkung mit dem Verstärker einen neuen, veränderten Klang.

Die Geburt der Solidbody-Gitarre
Da man aufgrund der Elektrifizierung nicht mehr auf einen schwingenden Korpus angewiesen war, ging der amerikanische Tüftler Les Paul den nächsten logischen Schritt: Er ersetzte den hohlen Korpus durch ein massives Stück Holz. Gibson brachte basierend auf diesem Konzept in den 1950er Jahren die legendäre Les Paul heraus. Zur selben Zeit feierte Leo Fender mit der Telecaster und der Stratocaster große Erfolge. Die Fender Stratocaster und die Gibson Les Paul sind bis heute die meistgebauten und kopierten E-Gitarrenmodelle weltweit.

Die Verzerrung — ein glücklicher Unfall
Jim Marshall, der in London ein kleines Musikgeschäft betrieb, begann in den 1950er Jahren mit der Entwicklung eigener Verstärker. Sein Ziel war ironischerweise zunächst das Gegenteil von Verzerrung, nämlich eine möglichst hohe Lautstärke bei möglichst WENIG Verzerrung. Doch Musiker wie Pete Townshend von The Who rissen die Verstärker bei Live-Auftritten so weit auf, dass sie trotz der Bemühungen von Jim Marshall verzerrten. Diese Verzerrung wurde zum elementaren Bestandteil des Sounds jeder Rockband und ist aus Rock, Hard Rock, Metal (und mittlerweile auch Pop) nicht mehr wegzudenken. Denken Sie an die ersten drei Töne des Gitarrenriffs von „Smoke on the Water" — ohne Verzerrung würde nur ein „Pling, pling, pling" übrig bleiben. Sobald die Hersteller von Gitarrenverstärkern - allen voran Jim Marshall - erkannten, dass die Verzerrung nicht nur von Musikern geduldet sondern sogar erwünscht war, machten Sie die Verzerrung zum 'Feature' ihrer Produkte, indem sie die Vorstufe und Endstufe eines Verstärkers trennten, so dass sie individuell regelbar wurden. Das führte dazu, dass man die Vorstufe gnadenlos verzerren konnte, dann aber mit Hilfe der Endstufe die ansonsten ohrenbetäubende Lautstärke in den Griff bekam.

Ab wann kann ein Kind E-Gitarre spielen?
Diese Frage würde ich weniger am Alter festmachen als am echten Interesse des Kindes an der E-Gitarre und der Musik, die man mit ihr verbindet. Empfehlenswert ist es, zunächst mit einer akustischen Gitarre zu beginnen, bis das Kind mit den Grundlagen vertraut ist. Wer früh mit einer akustischen Gitarre begonnen hat, kann durchaus schon mit 9 oder 10 Jahren auf die E-Gitarre umsteigen. Oder bei frisch erwachendem Interesse ohne vorherige Kenntnisse auch direkt mit der E-Gitarre anfangen (vgl. die Ausführungen oben).

Was kostet der Spaß?
Erstaunlich wenig. Eine E-Gitarre macht natürlich nur Sinn zusammen mit einem Verstärker. Nahezu jedes ernstzunehmende Musikhaus bietet fertige E-Gitarren-Pakete an — mit Instrument, Verstärker, Kabel, Gigbag, Gurt und Stimmgerät. Die günstigsten Einsteigerpakete gibt es bereits ab etwa 100 Euro. (vgl. oben)