Akkorde — das Herzstück abendländischer Musik
Üblicherweise teilt man Musikinstrumente nach ihrer Tonerzeugung ein: Holzbläser, Blechbläser, Saiteninstrumente. Es gibt aber eine andere, für Eltern vielleicht nützlichere Unterscheidung, über die aber kaum jemand spricht: Kann man auf diesem Instrument mehrere Töne gleichzeitig spielen — oder nicht?
Akkorde und Mehrstimmigkeit sind DAS charakteristische Element der gesamten abendländischen Musik. Seit über 1000 Jahren bedienen sich die Menschen unseres Kulturkreises der Mehrstimmigkeit — teils gegen heftigen Widerstand. Im 14. Jahrhundert stand die Mehrstimmigkeit sogar kurz vor einem päpstlichen Verbot, da sie angeblich vom Text ablenkte. Die ideale geistliche Musik nach päpstlichem Gefallen war monophoner Mönchsgesang (alle singen dieselbe, oft monotone Stimme) päpstlicher. Glücklicherweise überlebte die Mehrstimmigkeit und prägt seitdem unser Verständnis von Musik.
Monophone Instrumente: Eines nach dem anderen
Die meisten Instrumente sind monophon. Das bedeutet, dass sie nur einen Ton zur selben Zeit erzeugen können. Dazu gehören fast alle klassischen Blasinstrumente: Trompete, Saxophon, Klarinette, Querflöte, Oboe. Ebenso die menschliche Stimme, denn niemand kann ohne technische Hilfsmittel mit sich selbst mehrstimmig singen.
Monophone Instrumente sind deshalb die wichtigsten Solo-Instrumente des Sinfonieorchesters. Sie spielen die jeweilige Hauptstimme, während die anderen Instrumente gemeinsam das harmonische Gerüst liefern.
Polyphone Instrumente: Akkorde und Harmonien
Polyphone Instrumente ermöglichen es, mehrere Töne gleichzeitig zu spielen. Die typischsten Vertreter: Gitarre (6 Saiten, bis zu 6 gleichzeitige Töne) und Klavier (bis zu 88 Töne gleichzeitig — in der Praxis natürlich deutlich weniger).
Für einen vollständigen Dur- oder Moll-Akkord genügen 3 gleichzeitige Töne. Die Gitarre und das Klavier ermöglichen es außerdem, gleichzeitig zu spielen und zu singen, was Gitarre oder Klavier (Keyboard) zu den typischen Instrumenten für Singer/Songwriter macht.
Warum Paul McCartney von der Trompete zur Gitarre wechselte
McCartney begann als Kind mit der Trompete — das erste Instrument seines Vaters. Er bemerkte jedoch schnell: Mit einer Trompete im Mund kann man nicht singen. Also brachte er sich im Teenageralter selbst das Gitarrespielen bei. Wären die Beatles-Songs je entstanden, hätte McCartney bei der Trompete geblieben? Mit Sicherheit nicht in dieser Form. Fast alle seine Songs entstanden an der Gitarre oder am Klavier.
Was bedeutet das für die Instrumentenwahl?
Ist Ihr Kind kreativ? Erfindet es eigene Melodien? Singt es gerne? Hat es einen Sinn für Geschichten und Emotionen? Dann ist ein Harmonieinstrument die erste Wahl — also Gitarre, Klavier/Digital-Piano, vielleicht Ukulele.
Nahezu alle bedeutenden Komponisten und Songschreiber der letzten Jahrhunderte spielten Klavier oder Gitarre als Hauptinstrument — nicht weil diese Instrumente schöner klingen, sondern weil sie sowohl das Songwriting als auch das Vortragen eben dieser Songs erst möglich machen.
Ist Ihr Kind hingegen begeistert vom Klang einer Trompete oder eines Saxophons? Dann ist ein monophones Instrument vielleicht richtige Wahl. Kinder, die aus innerem Antrieb heraus ein Instrument spielen möchten, kommen erfahrungsgemäß weiter als diejenigen, denen ein „pädagogisch sinnvolleres" Instrument aufgezwungen wird.
Kurze Übersicht: Monophon vs. Polyphon
Monophone Instrumente
- Trompete, Flügelhorn
- Saxophon
- Klarinette
- Querflöte, Blockflöte
- Klassische Violine (weitgehend)
- Menschliche Stimme
Polyphone Instrumente
- Gitarre (akustisch & elektrisch)
- Klavier, Digital-Piano
- Keyboard
- Akkordeon
- Ukulele
→ Zum großen Elternratgeber: Welches Instrument passt zu meinem Kind?