Musikinstrumente für Kinder

Die Gitarren

Der Musikinstrumenten-Ratgeber für Eltern

Auf dieser Seite gebe ich zunächst einmal einen sehr allgemeinen und zugleich stark vereinfachten Einblick in die Welt der unterschiedlichen Gitarren. Wer sich für diese allgemeinen Betrachtungen nicht interessiert, sondern auf der Suche ist nach einer Gitarre speziell für ein Kind (etwa zwischen 4 und 10 Jahren), dem sei der folgende Artikel Kindergitarren mit einem Video-Testbericht über ein Kindergitarren-Set empfohlen. Wer es etwas genauer wissen möchte, liest einfach hier weiter...

Ganz allgemein

Genau wie das Schlagzeug gehört auch mindestens eine Gitarre zu (fast) jeder Rock- oder Popband. Es ist jedoch wichtig, zunächst einmal im Grundsatz zwischen den verschiedenen Gitarrenmodellen und Gitarrenwelten zu unterscheiden. Hinter dem Begriff Gitarre verbergen sich nämlich gänzlich verschiedene und teilweise sogar gegensätzliche Klänge und Mythen. Viele denken bei Gitarre an Lagerfeuer und Pfadfinder oder die gute alte Wandergitarre. Für Rockfans ist eine Gitarre hingegen eine Philosophie, eine Lebenseinstellung, sie ist mindestens elektrisch und nur erwähnenswert, wenn ihre Töne verzerren und sie dabei jammert und stöhnt. Wir versuchen jedoch, ganz nüchtern ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen und unterscheiden zunächst einmal grundsätzlich zwischen akustischen und elektrischen Gitarren. (gemäß Cäsars Leitspruch "teile und herrsche"). Bevor wir also darauf eingehen, welche Modelle zum Lernen für Kinder geeignet sind (bzw geeigneter sind als andere), stellen wir unten einmal die wichtigsten Gitarren vor, und zwar in Bild und Ton: Wie sehen die populärsten Gitarrenmodelle aus und wie klingen sie?

Akustische und elektrische Gitarren: Bilder und Klangbeispiele

Die erste grundlegende Unterscheidung bezieht sich zunächst einmal auf akustisch (die beiden Gitarren links)oder elektrisch (die vier Gitarren rechts) Das bedeutet nicht, dass elektrische Gitarren ohne Akustik auskommen und dass akustische Gitarren niemals elektrisch sind - doch dazu später...

Die akustischen Gitarren

Der Begriff akustische Gitarre zielt in erster Linie darauf ab, die "ganz normale" Gitarre (aber was ist schon normal...?) von der elektrischen Gitarre zu unterscheiden. Der Begriff akustisch sagt in diesem Zusammenhang aus, dass der wahrgenommene Klang direkt vom Instrument erzeugt und auch wiedergegeben wird und die Klangerzeugung nicht wie bei der elektrischen Gitarre durch die Wechselwirkung mit einem elektrischen Gitarrenverstärker entsteht. Wie kann man sich die Klangerzeugung der akustischen Gitarre vorstellen? Nicht wirklich anders als bei der Violine: Die Vibration der Saiten bringt den Resonanzkörpers (oder Korpus) zum Schwingen. Diese Schwingungen werden von der Luft übertragen und bis zum Ohr des geneigten Zuhörers getragen - solange die Zuschauer nicht zu weit weg sind, denn anders als die Violine könnte sich eine akustische Gitarre ohne elektrische Verstärkung nicht in einem Konzertsaal gegen andere Orchesterinstrumente durchsetzen. Dies ist auch der Grund, warum man im klassischen sinfonischen Orchester keine Gitarren einsetzte: Akustische Gitarren sind schlicht und einfach zu leise.

Konzertgitarre oder Westerngitarre?

Unter dem folgenden Link finden Sie einen ausführlichen Artikel zum Unterschied zwischen Konzertgitarre und Westerngitarre. An dieser Stelle sehen und hören Sie zunächst beide Gitarren-Typen im Vergleich, bevor wir weiter unten noch ein wenig weiter ins Detail gehen.

Konzertgitarre anhören

Konzertgitarre



Westerngitarre anhören

Westerngitarre



Die Konzertgitarre

Es gibt in Deutschland verschiedene Bezeichnungen für dieses Instrument: Meistens spricht man von einer Konzert-Gitarre, man sagt aber auch "Spanische Gitarre" oder einfach "klassische" Gitarre. Der Korpus der Konzertgitarre ist relativ leicht, es finden Nylonsaiten Verwendung (im Gegensatz zu den Stahlsaiten der Westerngitarre). Wegen der weichen Nylonsaiten, wegen des relativ breiten Halses und des relativ kleinen Korpus ist eine Konzertgitarre für Kinder recht gut geeignet, wenn sie Gitarre spielen lernen möchten. Das ist auch der Grund, warum die meisten Musikschulen und Gitarrenlehrer für ihre Schüler auf eine Konzertgitarre drängen. Für kleinere Kinder (etwa ab 6 Jahren) gibt es analog zur Violine sogenannte 3/4 oder 1/2 Gitarren mit entsprechend verkleinerten Maßen.

Die Westerngitarre

Eine andere Akustikgitarre (neben der Konzertgitarre) ist die sogenannte Western-Gitarre. Wegen der Stahlsaiten nennt man diese Gitarre in der englischsprachigen Welt "Steelstring Guitar". Mit Western hat sie eigentlich nichts zu tun, da sie aber ursprünglich vor allem in der amerikanischen Folk- und Country-Musik eingesetzt wurde (in Amerika, im Westen), hat sich hierzulande der Name "Western-Gitarre" durchgesetzt. Sie ist etwas größer als eine Konzertgitarre, hat Stahlsaiten anstelle der Nylonsaiten und klingt daher wesentlich lauter und brillianter. Bei den für Folk- und Countrymusik typischen Spieltechniken wie Picking oder Strumming kommen ihre klanglichen Vorzüge gegenüber der Konzertgitarresind besonders eindrucksvoll zur Geltung. Die Westerngitarre ist allerdings kaum geeignet, um damit klassische oder spanische Gitarrenmusik zu spielen (Stichwort Flamenco). Wer also Flamenco spielen möchte oder klassische Gitarrenliteratur, der sollte unbedingt zur Konzertgitarre greifen. Es spricht auch überhaupt nichts dagegen, die Grundlagen auf einer Konzertgitarre zu erlernen und sich später eine Westerngitarre zu besorgen. Die grundlegenden Spieltechniken sind auf beiden Instrumenten gleich - die Akkorde sowieso.

Das Wesen der akustischen Gitarren

Wir halten also fest: Akustische Gitarren funktionieren am Lagerfeuer, in kleineren Räumen, in kleineren Gruppen. Wenn Sie eine akustische Gitarre bei großen Veranstaltungen hören - also irgendwo zwischen Irish Pub und einem Fußballstadion - dann ist das nur möglich, weil die akustische Gitarre elektrisch verstärkt wird. Dadurch wird sie noch nicht zu einer E-Gitarre! Alles klar? Dann überspringen Sie den Rest. Sie sind verwirrt? Dann lesen Sie weiter:

Die elektrische Verstärkung macht eine akustische Gitarre nur lauter - sie bleibt aber eine akustische Gitarre. Die Vibration der Saiten bringt den Resonanzkörpers (oder Korpus) zum Schwingen. Diese Schwingungen werden von der Luft übertragen und bis zu den Ohren der geneigten Zuhörer getragen - solange die Zuhörer nicht zu weit weg sind. Also ganz einfach ausgedrückt: Sie sitzen am Strand, ein Bekannter hat eine Gitarre dabei und spielt Blowing In The Wind. Sie hören es, Sie freuen sich über den Dylan-Klassiker und alles ist gut. Weil alle glücklich sind, spielt er für Sie noch "Angie" von den "Rolling Stones". Es klingt immer noch akustisch, ist auch immer noch akustisch, alles ist immer noch gut. Nun stellen Sie sich aber folgendes Szenario vor: Es geht schon wieder um "Angie", wieder von den "Rolling Stones", diesmal aber auch mit den "Rolling Stones". Sie haben nämlich ein Ticket für eine Rolling Stones Show im Müngersdorfer Stadion. Sie sitzen irgendwo auf den hintersten Tribühnen, 300 Meter von der Bühne entfernt, diesmal spielt nicht Ihre Lagerfeuerbekanntschaft sonder Keith Richards persönlich die akustische Gitarre, wie Sie mit Hilfe Ihres mitgebrachten Fernglases eindeutig erkennen können. Sie können die Gitarre sehr gut hören und sie klingt auch immer noch wie eine akustische Gitarre - jedoch sehr viel lauter als am Lagerfeuer. Obwohl Sie diesmal nicht 3 Meter sondern 300 Meter weit entfernt sitzen. Trotz der enormen Geräuschkulisse hören Sie diese zarte Akustikgitarre. Wie ist das möglich? Zauberei? Nein, selbstverständlich wird hier der Klang der akustischen Gitarre elektronisch verstärkt und über das Lautsprechsersystem in das Stadion übertragen. Nicht anders als Mick Jaggers Stimme und die einzelnen Schlagzeugelemente und vieles mehr. Hierbei spielt es keine große Rolle, ob der Klang der akustischen Gitarre mit Hilfe von Mikrophonen, Tonabnehmern oder anderer elektronischer Geräte "eingefangen" wird. Trotz der elektronischen Hilfsmittel bleibt der Klang der Akustikgitarre "akustisch". Er wird durch die Elektronik lediglich lauter, jedoch in seinem Charakter nicht grundlegend verändert.

Die elektrische Gitarre

Damit haben wir also den entscheidenden Unterschied zwischen einer akustischen Gitarre und einer elektrischen Gitarre eingekreist. Quasi umzingelt. Die akustische Gitarre benötigt keine elektronischen Hilfsmittel zur Klangerzeugung während die E-Gitarre ohne elektronische Hilfsmittel gar nicht hörbar wäre. Das heißt, dass man eine E-Gitarre erst hören kann, wenn man sie an einen Verstärker anschließt. Auf englisch: "Amplifier" oder einfach nur "Amp". Der Klang einer elektrischen Gitarre entsteht erst durch die Wechselwirkung ihrer Tonabnehmer ("Pickups") mit dem Verstärker. Hier wird der Verstärker also ganz bewusst eingesetzt, um den Klang zu verändern. Eine E-Gitarre ohne Verstärker ist leise wie ein Flüstern. Sie hat keinen hohlen Resonanzkörper, der die Schwingungen der Saiten an die Umgebung überträgt, sondern sie ist in den meisten Fällen massiv. Eine E-Gitarre ist also gewissermaßen nichts weiter als ein Brett mit einem angeschraubten Hals. Das bedeutet, dass eine E-Gitarre am Lagerfeuer ohne Verstärker nicht funktionieren wird. Bei absoluter Stille würde man zwar trotzdem noch ein wenig hören (ein perkussives "Klacken" der Saiten und sehr wenig "Ton"), aber nicht genug, um Zuhörer zu unterhalten, die weiter als einen halben Meter entfernt sind.

Stratocaster anhören

Fender Stratocaster



les Paul anhören

Gibson Les Paul



Gretsch anhören

Gretsch



12 String Rickenbacker anhören

12 String Rickenbacker



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Bild- und Musikbeispiele als Flash-Animation: Gitarren sehen und anhören

Die beiden häufigsten Elektro-Gitarren (oder kurz: E-Gitarren) sind die "Stratocaster" von der Firma "Fender" (Leo Fender, 1909-1991) und die "Les Paul", her gestellt von der Firma "Gibson" hergestellt (erfunden von dem Musiker und Tüftler Les Paul, 1915 - 2009). Mehr Infos und Hörbeispiele zu den elektrischen Gitarren finden Sie im E-Gitarren Blog. Darunter haben wir 2 weitere E-Gitarren abgebildet, die heute eher zu den Exoten gehören. Zunächst eine legendäre Gretsch Gitarre. Dieses wunderschöne Instrument aus den USA war viele Jahrzehnte lang das Maß aller Dinge in der Country-Musik. Auch George Harrison, der "stille Beatle" spielte diese Gitarre von 1962 - 1965. Wer heute ein solches Instrument besitzen möchte, der muss schon einige tausend Dollar auf den Tisch legen. Definitv nichts für Kinder aber ich möchte an dieser Stelle auch einfach mal zeigen, "was es so gibt" und wo die Unterschiede liegen. Ebenfalls exotisch und ebenso ein "Beatles-Instrument" aus den USA: Die 12-saitige Rickenbacker. Auch die Byrds haben diese Gitarre eingesetzt und wer einmal unser Klangbeispiel mit "Mr. Tambourine Man" von den Byrds vergleicht, wird sicherlich erkennen, worin das Wesen dieses speziellen 12-saitigen Elektrosounds liegt.

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